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Rückblick: Lesung im Muckerhaus

17.04.2019

„Das Wichtigste ist die Familie“

Lesung im Muckerhaus aus dem Buch „Zwischen Qatana und Darmstadt“

(siod) Mit einer Mischung aus Trauer und Stolz, Rührung und Dankbarkeit hörte die Familie Al Haddad der Lesung am 10. April zu, die von ihrer Flucht aus Syrien nach Darmstadt handelte. Mit ihnen lauschten über 70 Gäste dem weichen Klang der Stimmen aus der Schweiz, als Germaine Stucki und Urs Hardegger aus ihrem Buch „Zwischen Qatana und Darmstadt“ vorlasen.

Es war keine leichte Kost, die an diesem Abend im Muckerhaus vorgetragen wurde, weil Flucht immer mit Verlust und Schmerz zu tun hat. Aus den knappen und doch informativen Beschreibungen der einzelnen Schritte, die bis zur Ankunft in Arheilgen nötig waren, kann man sich die Anspannung und Ängste ausmalen, die die Betroffenen auszuhalten hatten. Es wird aber auch deutlich, welche schicksalhafte Bedeutung Asylgesetze, Einreisevorschriften und deren Änderung für die Familie mit sich brachten.

Zwischen den Texten war Zeit zum Nachdenken, während Rabie Azar auf der Bratsche und Mustafa Kakour mit der Oud (Arabische Laute) musizierten.

Weil Antouan Al Haddad ab 1968 als junger Mann in Leipzig an der damals international hoch angesehenen Deutschen Hochschule für Körperkultur sechs Jahre lang Sport studiert hatte, kann er gut Deutsch. So kam es, dass er in den 1990er-Jahren in Syrien als Reiseleiter für deutschsprachige Gruppen gefragt war, die vermehrt das Land besuchten. Auf diese Weise hatte er auch das Autorenduo aus Zürich kennengelernt.

Im zweiten Teil des Abends stellte er sich selbst den Fragen des Publikums und legte seine Sicht der Lage dar. Ob es Hoffnung für Syrien gibt? Antouan Al Haddad glaubt nicht an kurzfristige Lösungen. Zu viel wurde zerstört. Besonders das Vertrauen der Menschen untereinander. Seine Mission, auch jetzt als Senior in Arheilgen, ist immer wieder dafür zu werben, einander in der Unterschiedlichkeit zu akzeptieren und das Gemeinsame zu suchen. Das Wichtigste in Syrien und damit auch für ihn „ist die Familie“.

Zur Lesung eingeladen hatte der Asylkreis Arheilgen. Er versteht sich als loses Netzwerk, in dem engagierte Menschen, Kirchengemeinden und die Gemeinwesenarbeit verbunden sind.

 

Foto: Urs Hardegger und Germaine Stucki (Zürich) lasen aus ihrem neuen Buch